‚Wir implementieren im Q3 ein neues Kundensystem‘ steht SMART notiert im Projektplan, komplett mit Datum, Budget und Verantwortlichem. Sechs Monate nach der Einführung wird keine einzige Kundenanfrage schneller bearbeitet als zuvor, denn niemand hatte festgelegt, was eigentlich besser werden sollte. Fast jeder Projektplan behauptet, SMARTe Ziele zu haben. Fast keiner hat sie wirklich. Das ist kein Zynismus, sondern ein Forschungsbefund — und der Grund, warum so viele gut gemeinte Projekte trotzdem das Falsche liefern.
Das Versprechen spezifischer Ziele
Dass Ziele eine Rolle spielen, ist einer der am besten belegten Befunde der Organisationspsychologie. Locke und Latham bauten ihre Goal-Setting-Theory auf rund tausend Studien auf, mit Effektstärken von d≈0,42 bis 0,80: Spezifische und herausfordernde Ziele führen nachweislich zu besseren Leistungen als vage "Gib-dein-Bestes"-Ziele.
Aber es gibt eine wichtige Voraussetzung. Der Effekt wird moderiert durch Commitment, Feedback, Aufgabenkomplexität, Fähigkeiten und situative Beschränkungen: Mittel und Zeit. Ein ehrgeiziges Ziel ohne passende Mittel verliert seine Kraft. Ein Ziel ist also nie losgelöst von der Frage zu betrachten, ob es mit dem Verfügbaren erreichbar ist.
SMART ist selten wirklich SMART
Hier wird es unangenehm. Ogbeiwi untersuchte 2017 siebzehn veröffentlichte "SMART-Beispiele": einschließlich des ursprünglichen Beispiels von Doran aus dem Jahr 1981, der den Begriff prägte. Kein einziges dieser siebzehn Beispiele enthielt alle vier Kernkomponenten eines gut formulierten Ziels.
Was fehlte am häufigsten? Das Ergebnis (Outcome): das angestrebte Resultat. Das war nur in 24 Prozent der Beispiele vorhanden. Mit anderen Worten: Die überwiegende Mehrheit dessen, was "SMART-Ziele" heißt, beschreibt eine Aktivität und kein Ergebnis.
Der Unterschied ist nicht akademisch. Vergleichen Sie:
- Aktivität: "Wir implementieren in Q3 ein neues Kundensystem."
- Ergebnis: "In Q4 werden 80 Prozent der Kundenanfragen innerhalb von 24 Stunden bearbeitet, gegenüber 60 Prozent heute."
Das Erste ist erledigt, sobald das System läuft: auch wenn niemand davon profitiert. Das Zweite ist erst erledigt, wenn sich die Wirklichkeit tatsächlich verändert hat. Projekte, die auf den ersten Zieltyp steuern, können "termingerecht und im Budget" geliefert werden und dennoch völlig nutzlos sein.
Der OITT-Test: ein Satz, vier Bestandteile
Ogbeiwi bietet eine brauchbare Alternative: den OITT-Test. Ein gutes Ziel enthält in einem Satz vier Elemente:
| Element | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Outcome (Ergebnis) | Was verändert sich? | Schnellere Bearbeitung von Kundenanfragen |
| Indicator (Indikator) | Woran misst man das? | Prozentsatz innerhalb von 24 Stunden bearbeitet |
| Target (Zielwert) | Wie viel? | 80 Prozent |
| Timeframe (Zeitrahmen) | Wann? | Ende Q4 |
Erfüllt Ihr Ziel nicht alle vier, dann fehlt ihm etwas Grundlegendes. Vor allem das Fehlen des Ergebnisses ist tückisch, weil der Plan dann immer noch vollständig aussieht.
Die niederländische Norm: SMART-C
Der niederländische Rechnungshof (Algemene Rekenkamer) legt die Latte noch etwas höher. In ihren Analysen von Projekten verwendet sie SMART-C-Ziele: spezifisch, messbar, akzeptabel, realistisch, terminiert: und konsistent. Ohne solche Ziele und eine sachliche Rechtfertigung nennt der Rechnungshof ein Projekt "organisatorisch und technisch nicht realistisch".
Dieses zusätzliche C ist keine Bürokratie. Konsistenz bedeutet, dass die Ziele nicht miteinander kollidieren und an das übergeordnete Organisationsinteresse anknüpfen. Ein Projekt, das drei Ziele verfolgt, die sich gegenseitig behindern, zwingt die Ausführenden dazu, stillschweigend Prioritäten zu wählen, die niemand ausdrücklich genehmigt hat.
Auch das Adviescollege ICT-toetsing stellt dies an den Anfang: Der erste Prüfaspekt ist "ein klarer Anlass, eine klare Problemstellung und Zielsetzung". Nicht, ob ein Ziel dasteht: sondern ob der Anlass sachlich begründet und das Ziel klar ist.
Was das für Sie bedeutet
Nehmen Sie das Hauptziel aus Ihrem Plan und prüfen Sie es gegen die OITT-Vier: Stehen Outcome, Indikator, Target und Timeframe alle ausdrücklich in einem Satz? Fehlt der Outcome, formulieren Sie das Ziel jetzt neu — bevor das Projekt auf einer Aktivität läuft, die nie jemand prüft.
Wer das Ergebnis nicht vorab benennt, kann hinterher immer behaupten, es sei gelungen.
Quellen
- Locke, E.A. & Latham, G.P. (2002), Building a practically useful theory of goal setting, American Psychologist.
- Ogbeiwi, O. (2017), British Journal of Healthcare Management.
- Algemene Rekenkamer — SMART-C-toets voor projectdoelstellingen en zakelijke rechtvaardiging.
- Adviescollege ICT-toetsing, Toetskader (eerste toetsaspect: "een duidelijke aanleiding, probleemstelling en doelstelling").