Freitagnachmittag, sechzehn Uhr: Das Projekt ist gerade abgeschlossen, und der Projektleiter muss den Evaluationsbericht noch vor dem Wochenende fertigstellen — was dabei zu Papier gebracht wird, ist meist ein Rückblick ohne feste Struktur, eine Schilderung dessen, was geschehen ist, ohne systematische Antwort darauf, warum es so verlief, mit welchem Input, und ob das Ganze lieferte, was es liefern sollte. Das CIPP-Modell von Daniel Stufflebeam bietet diese Struktur dennoch: vier Fragen, die sich ebenso gut im Nachhinein wie im Voraus stellen lassen.
Vier Buchstaben, vier Fragen
CIPP steht für Context, Input, Process und Product: vier Evaluationsmomente, die einander ergänzen, statt sich zu überschneiden.
Context fragt: Wie war die Situation, in der das Projekt gestartet wurde, und welcher Bedarf lag ihm zugrunde? Das ist vergleichbar mit der OECD-Relevance-Frage, jedoch angewendet auf den Startzeitpunkt.
Input fragt: Welche Mittel, Strategien und Pläne wurden eingesetzt, um diesen Bedarf zu adressieren, und waren diese Entscheidungen angesichts der Alternativen sinnvoll? Dieser Evaluationsmoment liegt normalerweise vor der Durchführung, gehört aber auch in einen Ex-post-Rückblick: War der gewählte Ansatz, im Nachhinein betrachtet, der richtige?
Process blickt auf die Durchführung selbst: Wurde der Plan wie vorgesehen umgesetzt, und welche Abweichungen traten unterwegs auf?
Product, der für die Ex-post-Evaluation am schwersten wiegende Teil, unterteilt Stufflebeam weiter in vier Unterfragen: Impact (welche breiteren Effekte gibt es), Effectiveness (wurden die Ziele erreicht), Sustainability (bleiben die Ergebnisse bestehen) und Transportability (ist der Ansatz auf andere Situationen oder Projekte übertragbar). Für Letzteres schreibt das Modell einen festen Satz von Beurteilungskriterien vor: Qualität, Kosteneffektivität, Integrität (Probity), Machbarkeit, Sicherheit, Gleichheit (Equity) und Signifikanz.
Die Anforderung, die die meisten Evaluationen auslassen: die Metaevaluation
Das prägnanteste Element des CIPP-Modells ist nicht die Vierteilung selbst, sondern eine Anforderung, die kaum davon zu trennen ist: Stufflebeam schreibt ausdrücklich vor, dass die Evaluation selbst an Metaevaluationsstandards gemessen wird: Utility (Nützlichkeit), Feasibility (Machbarkeit), Propriety (Angemessenheit), Accuracy (Genauigkeit) und Evaluator Accountability. Mit anderen Worten: Nicht nur das Projekt wird evaluiert, auch die Evaluation selbst wird auf Qualität geprüft. Stufflebeam empfiehlt dabei ausdrücklich, dass der Auftraggeber eine unabhängige Metaevaluation durchführen lässt, während der Evaluator, der die eigentliche Arbeit leistet, in seiner Urteilsbildung selbst unabhängig bleiben muss.
Das ist eine doppelte Schicht Unabhängigkeit, die in der Praxis selten angewendet wird, aber das schärfste normative Argument für ein Prinzip ist, das in praktisch jedem maßgeblichen Rahmenwerk wiederkehrt, von Gate 5 bis zur RPE 2022: Eine Evaluation, die allein vom eigenen Projektteam geschrieben wurde, ohne jede Form von Widerspruch oder externem Blick, ist per Definition schwächer als eine, die geprüft wurde.
Auch eine explizite Anforderung an Lehren
Neben der Metaevaluationsanforderung schreibt das CIPP-Modell vor, dass Abschlussevaluationsberichte explizit Lehren benennen müssen, einschließlich zu vermeidender Fehler. Das knüpft direkt an das an, was wir in einem anderen Artikel über den Unterschied zwischen Dokumentieren und Lernen behandeln: Das CIPP-Modell verlangt nicht nur, dass Lehren aufgeschrieben werden, sondern dass sie konkret genug sind, um tatsächlich zu vermeidende Fehler zu benennen: keine vage Feststellung, sondern eine spezifische, nachvollziehbare Lehre.
Warum das mehr ist als ein akademisches Modell
Das CIPP-Modell stammt aus der methodischen Kernliteratur der Evaluationsforschung, nicht aus der Projektmanagement-Praxis selbst. Genau darin liegt sein Wert: Während OECD DAC, Gate 5 und die PRINCE2-Praxis vor allem aus der Praxis heraus entwickelt wurden, liefert CIPP das methodische Fundament, das erklärt, warum Unabhängigkeit, vorab festgelegte Kriterien und handlungsorientierte Lehren keine zufällig wiederkehrenden Themen sind. Sie sind methodisch darin verankert, wie Evaluationsforschung als Fachgebiet selbst aufgebaut ist.
Wie sich das in der EvaluatieScore-Rubrik niederschlägt
Das CIPP-Modell ist einer von vier normativen Ankern hinter der EvaluatieScore-Rubrik und der stärkste Beleg für Unabhängigkeit als explizites Qualitätskriterium: Kategorie 4 der Rubrik (methodische Qualität & Unabhängigkeit) prüft direkt, ob eine Evaluationsmethode benannt ist, ob eine nachweisbare unabhängige oder externe Prüfung stattgefunden hat, und ob die Quellen und Daten der Evaluation transparent sind.
Prüfen Sie Kategorie 4 konkret an Ihrem eigenen Bericht: Laden Sie ihn für 15 € hoch auf dutchmind.com/producten/evaluatiescore und sehen Sie, ob sich die von Stufflebeam vorgeschriebene unabhängige Prüfung auch in Ihrer Evaluation wiederfindet.
Quellen
- Stufflebeam, D.L. (2015), CIPP Model checklist (2e ed.) — rszarf.ips.uw.edu.pl.
- HM Government / Cabinet Office–IPA (nu NISTA) (2021), Gate 5: Operations Review and Benefits Realisation (Assurance Portfolio Standard, V1.0) — assets.publishing.service.gov.uk.
- Regeling periodiek evaluatieonderzoek 2022 (RPE) — wetten.overheid.nl.